Werte


Seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es ein weites Einverständnis darüber, dass im Umgang mit Werten etwas falsch läuft. Schon vorher hat es in vielen Unternehmen Versuche gegeben, Werte über Leitbilder und Trainings zu werte-orientierter Führung zu thematisieren. Die Erfolge dieser Maßnahmen sind sehr limitiert, oft bewirken sie das Gegenteil von dem, was beabsichtigt ist.


Die meisten dieser Versuche scheitern daran, dass die paradoxe Natur von Werten ignoriert wird und ein instrumentelles Denken über Werte vorherrscht. Fast immer fehlt ein soziologisches Verständnis darüber, wie Anerkennungsprozesse ablaufen (Wertschätzung) und wie leicht wir tagtäglich in Spiralen der gegenseitigen Abwertung gelangen. Die Erkenntnisse gehen über Appelle zu ethischem Verhalten nicht hinaus. Führungskräfte bleiben allein, wenn es heißt, Fragen zu Werten mit der Arbeit an Ihren alltäglichen Herausforderungen zu verknüpfen.


Nach unserem Verständnis entstehen und verändern sich Werte in alltäglichen Konversationen zwischen Menschen, intensiviert in den Gesprächen über die kritischen Themen. Dabei finden wir uns in Wertkonflikten wieder, für die es keine einfachen Regeln gibt. Die Vorstellung, aus einem idealen Wertekanon klare Handlungsanweisungen ableiten zu können, hat nichts mit unseren Alltagserfahrungen zu tun. Möglich ist aber eine direktere und offenere Arbeit an den kritischen Themen, und dass beinhaltet die Arbeit an den Wertkonflikten.