Komplexität und Management


Alle Untersuchungen zur Erfolgsrate komplexer Veränderungsprojekte zeigen unbefriedigende Ergebnisse. Das weist auf grundsätzliche Probleme im bestimmenden Denkmodell über Organisation und Veränderung hin. Dieses Denkmodell ist durch ein Paradigma der Kontrollierbarkeit bestimmt.


Seit etwa zehn Jahren beschäftigen wir uns daher gemeinsam mit Richard Pascale und Douglas Griffin intensiv mit den Ergebnissen der Komplexitätsforschung als möglichem neuen Rahmen für die Arbeit in Großorganisationen. Komplexitätsforschung untersucht das Zusammenspiel nichtlinearen Faktoren und ermöglicht damit das Verständnis von chaotischen, unsicheren und nicht vorhersagbaren Phänomen. Dadurch wird die grundsätzliche Anwendbarkeit etablierter Methoden nicht hinterfragt, der Anwendungsbereich dieser Methoden aber klar eingegrenzt.


Und es wird deutlich, dass ein neues Denkmodell für die Arbeit in Organisationen durch folgende aus der Komplexitätsforschung abgeleitete Prinzipien geprägt sein wird:

 

  • Die Vorhersagbarkeit über die Entwicklung von Organisationen ist eng begrenzt
  • Veränderung und Innovation entsteht im wesentlichen in lokalen Interaktionen beteiligter Spieler
  • Innovations- und Veränderungsfähigkeit ist eine Funktion der Diversität der Beteiligten
  • Spieler in einer Organisation sind gegenseitig voneinander abhängig und können nicht als autonome Individuen handeln


Interessant ist die Ähnlichkeit dieser Prinzipien mit Gedanken der Philosophin Hannah Arendt in Ihrem Buch zur menschlichen Handeln der „Vita Activa" vorgestellt hat. Ihr Verständis von Macht, Handlung und Politik hat unsere Beratungspraxis nachhaltig beeinflußt.